Gault Millau Schweiz 2027

Heute Mittag präsentierten Urs Heller und sein Team den neusten Gault-Millau. Die wichtigste Auszeichnung ging an Dominik Hartmann vom Magdalena in Rickenbach SZ – er ist der „Koch des Jahres“.

Die Redaktion hat in diesem Jahr 870 Restaurants mit Punkten ausgezeichnet – etwas weniger als im letzten Jahr.

Wir gratulieren allen Chefs, Brigaden und Service-Teams.

Die Gault&Millau Punkte 2027

Hier die Auflistung aller Restaurants mit 17 – 19 Punkten. Die ausführliche Beschreibung und die Lokale mit 12 – 16 Punkte findet ihr im neuen Gault-Millau Schweiz 2027 und auf der Gault-Millau-Website.

Arosa GR – La Brezza (Tschuggen Grand Hotel) – Marco Campanella
Ascona TI – La Brezza – Marco Campanella
Basel BS – Cheval Blanc by Peter Knogl (Les Trois Rois) – Peter Knogl
Basel BS – Stucki – Tanja Grandits – Tanja Grandits / Marco Böhler
Crissier VD – Restaurant de L’Hotel De Ville – Franck Giovannini
Fürstenau GR – Schauenstein – Andreas Caminada / Marcel Skibba
Satigny GE – Domaine de Châteauvieux – Philippe Chevrier / Damien Coche
Zürich ZH – The Restaurant (The Dolder Grand)- Heiko Nieder

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Andermatt UR – The Japanese Restaurant – Dominik Sato & Fabio Toffolon
Ascona TI – ECCO Ascona – Reto Brändli
Ascona IT – Locanda Barbarossa (Castello del Sole) – Mattias Roock / Leo Ott
Bad Ragaz SG – Memories – Sven Wassmer
Basel BS – Roots – Pascal Steffen
Champfèr GR – Talvo – Kevin Fernandez
Crans-Montana VS – L’Ours – Franck Reynaud
Freidorf TG – Mammertsberg – Silvio Germann
Fribourg-Bourguillon FR – Des Trois Tours – Romain Paillereau
Genf GE – L’Aparté – Armel Bedouet
Glion VD – Restaurant Stéphane Décotterd – Stéphane Décotterd
Gstaad BE – Sommet (The Alpina Gstaad) – Martin Göschel (neuer Chef)
Küsnacht ZH – Rico’s così – Rico Zandonella
Lausanne VD – Anne-Sophie Pic (Beau-Rivage Palace) – Anne-S. Pic
Lausanne VD – La Table du Lausanne Palace – Franck Pelux pfeil_gruen
Le Noirmont JU – Maison Wenger – Jérémy Desbraux
Rickenbach SZ – Magdalena – Dominik Hartmann
Savièse VS – Gilles Varone – Gilles Varone pfeil_gruen
St. Gallen SG – Einstein Gourmet – Sebastian Zier
St. Moritz GR – Da Vittorio (Carlton) – Enrico und Roberto Cerea
St. Moritz GR – ECCO St. Moritz – Reto Brändli
Vals GR – 7132 Silver – Marcel Koolen
Vitznau LU – focus – Patrick Mahler
Wigoltingen TG – Taverne zum Schäfli – Christian Kuchler
Zürich ZH – Igniv – Daniel Zeindlhofer pfeil_gruen
Zürich ZH – The Counter – Mitja Birlo
Zürich ZH – Widder Restaurant – Stefan Heilemann

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Adelboden BE – Alpenblick – Stuba – Björn Inniger
Andermatt UR – The Japanese at Gütsch – Dominik Sato & Fabio Toffolon
Andermatt UR – Igniv by Andreas Caminada – Valentin Sträuli pfeil_gruen
Bad Ragaz SG – Igniv by Andreas Caminada – Joël Ellenberger (ohne Note)
Bern BE – Myle – Markus Arnold
Brail GR – Vivanda (In Lain Hotel Cadonau) – Dario Cadonau
Bramboden LU – Wiesner Mysterion – Stefan Wiesner
Le Brassus VD – La Table des Horlogers – Emmanuel Renaut
Burgdorf BE – Zur Gedult – Lukas Kiener
Castel San Pietro TI – Osteria Enoteca Cuntitt – Federico Palladino pfeil_gruen
Cerniat FR – La Pinte des Mossettes – Nicolas Darnauguilhem (Geschlossen)
Champex-Lac – Au 1465 – Mariano Buda
Cossonay VD – Fleur de Sel – Carlo Crisci
Crans Montana VS – LeCrans – Yannick Crepaux pfeil_gruen
Dallenwil NW – Gourmet Stübli (Gasthaus zum Kreuz) – Dietmar Sawyere (Geschlossen)
Flüh SO – Säge – Patrick Zimmermann
Fribourg (FR) – Le Pérolles – Victor Moriez pfeil_gruen
Gais AR – Truube – Silvia Manser
Genf GE – Bayview – Michel Roth
Genf GE – La Micheline – Andrès Arocena
Genf GE – L’Atelier Robuchon – Olivier Jean
Grindelwald BE – Fiescherblick – Aurélien Mettler pfeil_gruen
Hergiswil NW – Seerestaurant Belvédère – Fabian Inderbitzin
Interlaken BE – Radius by Stefan Beer – Stefan Beer
Künten-Sulz AG – Fahr – Manuel Steigmeier
Lenzburg AG – Skin’s – the restaurant – Kevin Romes (Neues Konzept)
Lenzerheide GR – La Riva – Dominique Schrotter (Geschlossen)
Lömmenschwil SG – Neue Blumenau – Bernadette Lisibach
Lucens VD – La Table des Suter (Hôtel de la Gare) – Pierrick Lise
Lugano TI – The View – Diego Della Schiava pfeil_gruen
Luzern LU – Colonnade (Mandarin Oriental Palace) – Gilad Peled
Madulain GR – Chesa Stüva Colani – Paolo Casanova
Mels SG – Schlüssel (Nidbergstube) – Roger Kalberer
Monthey VS – Du Théâtre – Ilario Colombo Zefinetti
La Punt-Chamues-ch GR – La Chavallera – James Baron
Rehetobel AR – Gasthaus Zum Gupf – Walter Klose
Riedholz SO – le feu ( Attisholz ) – Jörg Slaschek
Samnaun GR – La Miranda (Chasa Montana) – Bernd Fabian
Schernelz BE – Aux Trois Amis – Marc Joshua Engel
Scheunenberg BE – Sonne – Kurt Mösching
Schnaus GR – Stiva Veglia – Tino Zimmermann
Steffisburg BE – Panorama – Rolf Fuchs
St. Gallen SG – Jägerhof – Agron Lleshi
St. Moritz GR – Grand Restaurant (Suvretta House) – Fabrizio Zanetti
Thônex GE – Le Cigalon – Jean-Marc Bessire
Trimbach SO – Traube – Arno Sgier
Vevey VD – Emotions par Guy Ravet – Guy Ravet
Yverdon-Les-Bains VD – Gerber Wyss Restaurant – Grégory Wyss
Zermatt VS – After Seven – Florian Neubauer
Zermatt VS – Alpine Gourmet Prato Borni – Stefan Lünse pfeil_gruen
Zermatt VS – Capri – Giuseppe Parisi
Zürich ZH – Eden Kitchen & Bar – Marco Ortolani
Zürich ZH – EquiTable – Julian Marti
Zürich ZH – Mikuriya (The Dolder Grand) – Atsushi Hiraoka
Zürich ZH – Orsini (Mandarin Oriental) – Dario Moresco
Zürich ZH – Rosi – Markus Stöckle (Geschlossen)
Zürich ZH – La Rôtisserie – Stefan Jäckel
Zürich ZH – Shin – Kenichi Arimura

The Japanese (The Chedi) in Andermatt

Vor 20 Jahren erlebte Andermatt einen beispiellosen Niedergang. Die Schweizerische Bundesbahnen bauten Stellen ab, die Armee zog sich aus dem Bergdorf zurück, und die Infrastruktur zerfiel. Relativ zur Grösse der Region, war der Arbeitsplatzverlust gigantisch und die Stimmung entsprechend depressiv. Erst der ägyptische Investor Samih Sawiris hat für das Dorf auf 1’400 Meter eine Vision und überzeugte die Einheimischen davon, das 1’700 Seelendorf in ein attraktiven Feriendestination zu verwandeln. Im Jahr 2007 stimmten fast alle für die Pläne worauf die ‚Andermatt Swiss Alps‘ unter Sawiris verschiedene Hotels, einen Golfplatz, ein mit Disentis zusammenhängendes Skigebiet sowie eine Konzerthalle baute. Auch viele andere im Dorf haben investiert und so erstrahlt das heutige Andermatt in einem neuen Glanz – ohne an Historie eingebüsst zu haben.

Herzstück des Projekts der ‚Andermatt Swiss Alps‘ ist das Luxushotel The Chedi Andermatt, welches vor 16 Jahren eröffnet wurde. Das Hotel verfügt über 119 Zimmer und Suiten sowie verschiedene Restaurants. Der Vorzeigebetrieb ist The Japanese. Seit drei Jahren sind die Zwillinge Fabio Toffolon und Dominik Sato die Küchenchefs. Beide sind schon seit ihrer Ausbildung sehr ambitioniert und haben bei diversen Spitzenköchen im In- und Ausland gearbeitet. Auf ihren Viten findet man Namen wie Peter Knogl (Cheval Blanc by Peter Knogl), Heiko Nieder (The Restaurant) oder Christian Bau (Victor’s Fine Dining by christian bau). Vor ihrem Engagement in Andermatt waren sie selber Küchenchefs in Thun, respektive in Bern. Hier in Andermatt haben sie sich im Rekordtempo 2 Michelin-Sterne erkocht und konnten vom Gault-Millau, neben den 18 Punkten, auch die Auszeichnung als „Aufsteiger des Jahres“ entgegennehmen.

Das Restaurant, mit dem etwas gar fantasielosen Namen, befindet sich hinter einer eindrücklichen grauen Eingangswand im Westflügel des Hotels. Davor erwartet uns bereits ein Mitarbeiter der uns über einen, japanisch anmutenden, Gang ins Restaurant begleitet. Am Ende des Korridors trifft man auf ein Buffet, das mit seiner Bierzapfanlage nicht direkt an ein japanisches Gourmetrestaurant erinnern. Auch sonst ist es hier eher etwas eng und die Einrichtung viel einfacher, als wir es uns vorgesetellt haben. Vermutlich hat man vor 16 Jahren noch nicht damit gerechnet, dass man eines Tages eines der best dotierten Restaurants der Schweiz beherbergt. Unser Tisch befindet sich im rechten Teil – von hier haben wir einen direkten Blick auf die Theke hinter der gerade die Appetizer von den engagierten Köchen den letzten Schliff erhalten.

Wir wählen von der Speisekarte das ganz grosse Menü „The Japanese full experience“ für stolze 420 Franken und starten danach mit vier Snacks, beziehungsweise ‚Sakizuke‘, wie sie hier heissen, in den Abend. Diese werden in drei Wellen serviert. Den Auftakt macht eine wundervolle intensiv schmeckende warme Dashi (8/10), die direkt am Tisch angegossen wird – wie das duftet! Danach folgt im Duo eine pochierte Gillardeau-Auster (7/10) mit grünem Apfel und Radieschen an einer schön balancierten Ponzu. Stark auch das daneben, im hauchdünnen Tartelette, servierte Thunfisch-Tatar (7/10) vom Toro und dem mageren Akami – darüber gibt es eine grosszügige Nocke Kaviar. Abschliessend folgt das Highlight der ersten Petitessen: im tiefen Tellerchen ein Madai (9/10), eine Seebrasse aus Japan, an einer Yuzu-Dashi-Vinaigrette. Eindrücklich wie sich die kräutrigen Aromen akzentuieren und das Geschmacksbild von der leichten Schärfe vom frischen Wasabi umarmt wird.

Ein ganz grosses Ausrufezeichen setzt dann der erste Gang des eigentlichen Menüs: Ein Hamachi (10/10) (Gelbschwanzmakrele) aus Japan. Der Fisch ist roh und wurde 48 Stunden in Kombu-Blättern eingewickelt und mariniert. Der Fisch ist extrem zart und harmoniert hervorragend mit seinen Begleitern sowie der perfekt dosierten Schärfe. Die Rassigkeit kommt von der Shishito-Vinaigrette. Shishito ist eine milde japanische Chilisorte die geschmacklich an Jalapeños erinnert. Zudem finden wir auf dem Teller Myoga, ein japanischer Ingwer. Das schmeckt alles intensiv, frisch, herbal und, dank der erwähnten Schärfe, extrem spannend und vielschichtig. Ein grossartiges Gericht an das wir noch lange denken werden.

Japan trifft Italien. Denn nun geht es weiter mit einem Chawanmushi mit Parmesan (7/10). Darüber fein gezupfter Taschenkrebs, eine Aal-Dashi, Schnittlauch und eine Nocke Kaluga-Kaviar von N25 das dem Gericht mit seiner Jodigkeit komplettiert – wir sind auch hier beeindruckt.

Wie jeder Fisch und jedes Stück Fleisch hier im Restaurant, wird auch der Petersfisch (9/10) aus Frankreich, zuerst auf der Plancha gebraten bevor er zur Vollendung noch ein paar Sekunden auf den japanischen Holzkohlegrill kommt. Auch die kleinen Stücke vom Calamari und die Stabmuscheln haben, neben ihrem feinen Eigenaroma, auch einen leichten Gôut von der Holzkohle. Auch das restliche Gericht überzeugt; genussvoll ziehen wir den Löffel immer wieder durch die himmlische Dashi-Nage – eine beurre-blanc-artige Sauce. Ein vollkommenes Gericht mit viel Wohlgeschmack.

Zeit für den Signature-Dish: den gebratenen Kaisergranat (8/10) an einer Miso-Hollandaise begleitet mit Kürbis. Das Krustentier, ein grosses Kaliber, wird perfekt temperiert serviert und hat neben einer buttrigen Note auch eine wunderschönen Kaffir-Aromatik und eine knusprige Textur. Ein richtiges Wohlfühlgericht mit spannenden Texturen und richtig viel Power.

Anschliessend folgt der erste Fleischgang, bei dem ein Schweizer Schwein die Hauptrolle spielt: das Koji-Luma-Schwein (9/10). Dazu verwenden die Chefs ein von „Luma“ mit Edelpilz veredeltes Schweinefleisch, dass sie selber nochmals mit einer Koji-Paste bearbeiten. Das sorgt für mehr Umami-Geschmack und einer zarteren Struktur. Dazu gibt es einen klebrig feinen Schweine-Jus mit Périgord-Trüffel, Chili, Knoblauch und Maitake-Pilzen. Dazu eine angenehme Schärfe vom Ingwer. Das Fleisch hat richtig viel Power und in Kombination mit der intensiven Sauce und dem Trüffel ist dies ein weiterer kulinarischer Traum.

Auch die Taube (9/10), vom französischen Züchter Jean Claude Miéral, wurde auf der Holzkohle vollendet – auch hier, nur ganz kurz und mit viel Fingerspitzengefühl, damit das Raucharoma nur ganz behutsam ans Fleisch kommt und nicht vom Eigengeschmack ablenkt. Die Zubereitung ist perfekt und wir entdecken auf dem Teller auch Scheiben von gebratener Foie Gras die dem Gericht eine weitere Geschmacksebene verleiht. Die Kombination schmeckt hervorragend. Auch die tiefe Sauce macht süchtig – abgerundet wird diese von einer pfeffrigen Nuance und einer leicht bitteren Note vom Trevisano, einer Radicchio-Sorte.

Abgeschlossen wird der salzige Teil des Menüs mit Ozaki Wagyu A5 (9/10). Das Fleisch, mit seiner genialen, geschmackvollen Fettstruktur, wird von einer hervorragenden Kujo Negi (Frühlingszwiebel)-Vinaigrette, die mit ihrer Säure den perfekte Gegenpart zum Wagyu darstellt. Das schmeckt alles unglaublich frisch und gleichzeitig intenstiv. Ein unvergessliches Gericht – ganz nah an der Höchstwertung. Ebenfalls Applaus gibt es für den à part gereichten japanischer Koshihikari-Reis mit verschiedenen Gewürzen – schade, dass in der Spitzenküche nicht öfters zum Hauptgang noch eine Beilage serviert wird, so wie hier.

Nach einer kleinen Erfrischung geht es zum Dessert, das auf der Karte ganz Bescheiden mit Traube (9/10) annonciert wird. Auf dem Teller finden wir neben dem Trauben-Sorbet mit einer angenehmen Ingwer-Note dann noch unzählige andere Komponenten wie Joghurt, Jasminblüten, Shiso, Mandeln oder Zitronen-Gelée. Das schmeckt alles sehr frisch, abwechslungsreich und gleichzeitig komplex. Dies überrascht uns nicht, denn mit Dominiks Frau Yoshiko ist eine Spitzenpâtissière im Restaurant die ihr Handwerk versteht. Das zeigt sie auch mit dem à part servierten perfekten Soufflé …

… und im Anschluss bei den Friandises und Pralinées (9/10) die alle einen leicht asiatischen Twist haben und sowohl handwerklich als auch geschmacklich brillieren.

Fazit: Da geben zwei so richtig Gas! Fabio und Dominik leben hier in Andermatt ihre Leidenschaft für die japanische Küche aus und überzeugen mit einem durchwegs extrem starken Menü. Dabei schaffen die beiden mit ihrer kleinen Brigade den perfekten Mix aus Gerichten, die mit eleganten, asiatischen Geschmäckern imponieren, als auch mit Speisen die extrem viel Power haben. Daraus entsteht ein absolut beeindruckendes Menü auf höchstem Niveau. The Japanese ist definitiv das Highlight des beeindruckenden Hotels und gilt zu Recht als eines der besten Restaurants der Schweiz. Wir sind sehr gespannt wie die Reise von The Twins @ The Japanese weitergeht.

Übrigens, mit dem The Japanese by The Chedi at Gütsch betreuen die Zwillinge noch ein Zweitrestaurant auf dem Berg. Das Restaurant ist mit einem Stern ausgezeichnet. Leider war es während unserem Besuch geschlossen.

Speisekarte: Das Menü gibt es als 5 (280 Franken), 6 (310 Franken) oder 8 (420 Franken) gängige Varianten – letztere Option beinhaltet zwei Signature Gerichte (Kaisergranat und Ozaki Wagyu A5). Die vegetarische Variante gibt es in 5 (250 Franken) respektive 6 Gängen (270 Franken). Alternativ kann man die selben Gerichte auch à la carte bestellen (Vorspeisen ca. 85 Franken, Hauptgänge ca. 135 Franken). Dazu serviert man vier Snacks, ein Pré-Dessert und Friandises

Wein: Neben einer Weinbegleitung steht auch ein Sakepairing zur Auswahl (300 Franken bei 8 Gläser / 210 Franken bei 6 Gläser). Daneben gibt es eine extrem umfangreiche Wein- und Sakekarte. Wir haben dem sehr guten Sommelier Luis Pedro freie Hand gegeben wodurch er pro Gang zwischen Wein und Sake die beste Option gewählt hat.

  • Ninki – Genshu 11 – Junmai Daiginjo 50 % pol. – Regionale Mischung – Fukushima, Japan
  • 2023 – Domíno do Açor Encruzado – Encruzado – Dão – Portugal
  • 2021 – Comtes Lafon 1er Cru „Mersault-Charmes“ / Chardonnay – Burgund, France
  • Amabuki – Stawberry Blossom – Junmai Daiginjo 40 % pol. – Omachi – Saga – Japan
  • 2021 – Gantenbein / Pinot Noir / Graubünden – Switzerland
  • 2015 – Château Couvent des Jacobins Grand Cru Classé Saint-Émilion – Merlot, CS, CF – Bordeaux, France
  • Ikemame – Turtle Red – Junmai Daiginjo 50 % pol. Yamada Nishiki – Fokuoka – Japan
  • 2021 – Chiappini, Guado de Gemoli – Merlot, CS, CF, Tuscani, Italy
  • Katsuyama – Lei – Junmai Ginjo 55 % pol. – Hitomebore – Miyagi, Japan

Online: https://www.thechediandermatt.com/

Wertung: Gourmör  / Michelin   / Gault&Millau 

Sonderauszeichnung:  Auszeichnung für eine geniale Weinbegleitung /  Schöne Zigarren-Lounge vorhanden

(Besucht im November 2025)

Restaurant Stéphane Décotterd in Glion

300 Meter ob Montreux thront die Ecole Hôtelière. Hier werden die Hotelliers der Zukunft ausgebildet. Im Erdgeschoss kocht Stéphane Décotterd seit 2021 zwei verschiedene Konzepte: das lockere Le Bistro de Décotterd und das Fine Dining-Restaurant, das stolz den Namen des Patrons trägt. Direkt am Eingang begrüsst uns Stéphans Ehefrau Stéphanie. Die Beiden haben sich im legendären Le Pont de Brent kennengelernt wo sie zusammen unter dem 3-Sterne-Chef Gérard Rabaey gearbeitet haben. Rabaey übergab nach seinem Ruhestand das Lokal an Décotterds, welches die Beiden über zehn Jahre erfolgreich auf 2 Sterne und 18-Gault-Millau-Punkte-Niveau weiterführten.

Während der Pandemie wurde der heute 49-jährige Décotterd von der Ecole Hôtelière für ein Beratungsmandat für deren neues Restaurant beauftragt. Nach mehreren Beratungsworkshops stand auf einmal die Frage im Raum, weshalb er nicht selber der neue Küchenchef werden will, um das neue Konzept umzusetzen. Nach langem abwägen – an der alten Wirkungsstätte hängte viel Herzblut – haben sich Décotterds entschieden, dieses neue, einmalige Abenteuer zu wagen.

Auf dem Weg durchs Restaurant schweift unser Blick immer wieder zu den grossen Fensterfronten, die einen atemberaubenden Blick auf den Genfersee offenbaren. Es ist definitiv eine der schönsten Restaurant-Aussichten die wir jemals geniessen durften. Mystisch wird es immer dann, wenn die Sonne in der Ferne durch die dunkle Wolkendecke drückt und die Lichtstrahlen sanft den See berühren.

Die Stimmung hier oben ist voller Energie. Auch das internationale Klientel, das Bisto und die Bar sorgen für eine kosmopolitische Atmosphäre. In der gemütlichen Bar starten wir auch in den Abend und geniessen den Apéro bevor es an unseren Platz geht. Die edel eingedeckten Tische sind alle so angeordnet, dass kein Gast auf das phänomenale Panorama verzichten muss.

Décotterd setzt seit bald 10 Jahren fast ausschliesslich auf Schweizer Produkte. Das manifestiert sich gleich bei den drei Snacks (8/10) mit denen wir in den Abend starten. Die Zutaten stammen aus der Region und sie offenbaren allesamt ein breites Geschmacksbild. Das Highlight ist ein grüner Sponge der mit einer himmlischen Champignon-Mousse bedeckt ist. Ein Glas Champagner, knusprige und geschmacksvolle Häppchen sowie dieser einmalige Blick über den Genfersee – was will man mehr!

Anschliessend wandert ein Brioche-Kranz mit Wallnuss, zu dem auch ein Schweizer Walnuss-Öl zum dippen serviert wird, auf den Tisch. Auch zweierlei Brote werden täglich gebacken und die Scheiben von grossen Laiben geschnitten. Dazu gibt es eine leicht gesalzene Butter. Das schmeckt alles ausgezeichnet und ist stilvoll arrangiert.

Ein Amuse Bouche wird leider nicht serviert und somit geht es direkt ins Menü wo es zum Auftakt ein Tartlette (10/10), gefüllt mit kalten Bohnen (perfekt zubereitet und mit viel Eigengeschmack), sowie Holunder, Kaviar und Pfirsich gibt. Wir sind ab dem ersten Bissen extrem begeistert. Das schmeckt frisch, trotzdem intensiv und so ganz anders, als vieles, dass wir bis jetzt gegessen haben. Ein hervorragendes Gericht, dass begeistert!

Anschliessend folgt der Fisch aus dem Genfersee (9/10) der leicht gegart unter einer knusprigen Panade mit Tannenknospen liegt. Dazu kombiniert Chef Décotterd Muscheln aus dem Zürichsee und verschiedene Kräuter. Auch hier sorgt das Ergebnis für frische und Glücksehligkeit. Nach einer etwas gar langen Wartezeit folgen Flusskrebse (9/10) aus dem Lac de Joux, dem grössten See im Juragebirge. Die ausgelösten Krebse liegen, mit hausgemachten Pasta, in einem Sud der an eine südfranzösische Bouillabaisse erinnert, geschmacklich aber tief in der Schweiz verwurzelt ist. Auch bei diesem Gericht wird der letzte Tropfen mit dem Brot aufgetunkt.

Auch das nächste Gericht hat viel Power. In der Tellermittel liegen gefüllte Morcheln (9/10) mit dem Thema „Capuns“. Wir ziehen den Löffel durch und schmecken neben dem edlen Pilz Minze, Mangold und Käse. Das schmeckt intensiv und frisch zugleich – wiederum extrem beeindruckend!

Der Hauptgang ist ein handwerkliches Meisterstück. Serviert wird ein Stück Lamm (10/10) aus den Walliser Alpen. Dabei kombiniert Décotterd zwei Zubereitungsarten. Auf der einen Seite das perfekt gegarte Filet, auf der anderen eine Kombination aus Fillet, Leber und Flankenfleisch. Alles wird zusammen gepresst, gegart und dann gebraten. Der Geschmack und die Konsistenz sind ein Traum. Anders als wir es erwartet hätten, giesst man hier keine dunkle, tiefe Sauce an sondern eine herbales Elixier mit verschiedenen Kräutern und einer harmonischen Zitrus-Säure. Absolut fantastisch!

Beim Käse haben Gäste die Wahl zwischen einer Selektion vom Wagen oder einem Käse-Gang. Wir entscheiden uns für Letzteres und erhalten ein Carpaccio aus Bergkäse vom Col de Jaman und einer speziellen Radieschen-Sorte sowie ertwas frischen Koriander. Danach kredenzt man uns noch zwei Desserts. Zuerst ein warmes Rhabarber-Tartelette (8/10) danach wunderbare Erdbeeren (7/10) mit einem Granité ein. Beide Desserts passen perfekt zur Saison , können das bisherige Spitzenniveau aber nicht ganz halten.

Zum ersten Dessert werden noch drei süsse Snacks (9/10) serviert (inklusive wundervollem Carac!) und zum feinen Espresso gibt es noch zwei wundervolle Friandises (8/10).

Fazit: Nach vier Stunden sitzen wir da und sind vom gerade erlebten sprachlos. Zu Beginn ist da die phänomenale Aussicht, die zu den schönsten zählt, die wir jemals in einem Restaurant geniessen durften. Anschliessend servierte man uns ein Menü, das von Beginn weg extrem begeisterte und einige Geschmacksbilder auf den Teller zauberte, die für uns ganz neu waren. Die Leidenschaft der Brigade und die Qualität der Produkte ist bei jedem Gericht spürbar. Der Fokus der Schweizer Küche wird hier perfekt umgesetzt, nämlich so, dass man keine Sekunde das Gefühl hat, dass man die Herkunft über den Geschmack stellt. Auch Handwerklich war alles extrem präzise. Abschliessend sei auch der grossartige Service erwähnt, der seinen Teil zu diesem tollen Abend beitrug. Mit den beiden Besuchen in der Le Pont de Brent war dies das dritte Menü bei Stéphane Décotterd und mit Abstand das Beste. Wieso der Guide Michelin, anders als an der vorherigen Wirkungsstätte, hier keine 2 Sterne vergibt, erschliesst sich uns überhaupt nicht – besonders weil einige Gerichte locker in der 3-Sterne-Liga mitspielen. Wir kommen sehr gerne wieder!

Speisekarte: Das volle Menü in 9 Gängen (inkl. Käsewagen respektive Käsegang) kostet 315 Franken. Ohne Käsegang kostet das Menü 285.- und mit einem Zwischengang weniger 240 Franken. À la carte Vorspeisen kosten zwischen 60 und 95 Franken. Hauptgänge ca. 95 Franken. Zum Teilen gibt es ein Wagyu-Beef aus dem Jura (315.-) oder eine Dry Aged Ente aus dem Appenzell (195.-).

Wein: Die Weinkarte ist gut bestückt. Gerne bietet man auch eine Weinbegleitung an. Auch hier setzt man konsequent auf Schweizer Erzeugnisse:

Schlossgut Bachtobel – Müller Thurgau – 2023 – Weinfelden
Besson-Strasse – Räuschling „Vom Rheinfall“
Domaine d’Esiza – Rousanne – 2022
Comaine de Chambleau – Pinot Noir „Charlotte“ – 2022
Hubervini – Rosso del Ticino „Costera Riserva“ – 2022
Valentina Andrei – Assembalge „Oxydatif“
Hansruedi Adank – Méthode traditionnelle Brut

Wertung: Gourmör / Michelin / Gault&Millau

Sonderauszeichnung: Top-Service, hier kann man die Seele so richtig baumeln lassen / Auszeichnung für eine tolle Weinbegleitung

(Besucht im Juni 2025)